Akademie der Wissenschaften und der Literatur - Mainz

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Kommentar zum morphologischen Register

Mit dem morphologischen Register werden die im DiWA zugänglichen Karten von Georg Wenkers "Sprachatlas des Deutschen Reichs" nach morphologischen Kriterien zugänglich gemacht. Grundlage des Registers ist eine vollständige morphologische Klassifikation der kartierten Lemmata. Unter 'morphologischer Klassifikation' wird die Beschreibung der Formen und Funktionen der auf den Karten verzeichneten Wörter und Wortbestandteile ('synthetische Symbolisierung') der Wenkersätze und der Einzelworterhebung verstanden. Die 'analytische Symbolisierung' von grammatischen Basiskonzepten durch Wortgruppen wird nicht berücksichtigt. Bezugspunkt für die Klassifikation sind die in neuhochdeutscher Standardsprache verfassten Wenkersätze in der Form, in der sie im DiWA abrufbar sind. Das Bezugssystem der Klassifikation ist dementsprechend die neuhochdeutsche Standardsprache. Bei Zweifelsfällen in Klassifikationsfragen gelten die Beschreibungen der Akademie-Grammatik (Heidolph et al. 1981), aus der auch, soweit möglich, die Definitionen der Merkmalstypen übernommen wurden. Alle Abweichungen von diesen Klassifikationsprinzipien und die sonstigen Besonderheiten werden in diesem Kommentar angegeben.

Der Zugang ist über die Merkmale von drei Gruppen möglich:
1. Ausdruck morphologischer Kategorien (z.B. Plural, Akkusativ) und Wortbildungstypen (z.B. Derivation, Komposition);
2. Symbolisierungstypen (Addition, Modulation, Suppletion);
3. paradigmatische und syntagmatische Eigenschaften der Wörter (z.B. Wortarten, Flexionsklassen).

In der ersten Gruppe wird die inhaltliche Seite der Wortformen in den Wenkersätzen angesprochen, in der zweiten Gruppe die formale. Die dritte Merkmalsgruppe behandelt Eigenschaften, die über die aktuell, in den Wenkersätzen realisierten Wortformen hinausreichen und vor allem die Zugehörigkeit zu bestimmten Paradigmatypen betreffen.

In den Suchabfragen können Werte sowohl derselben als auch unterschiedlicher Merkmalsgruppen mit einander kombiniert werden. Als 'Werte' gelten Kategorien und Subtypen ('differentia specifica', z.B. Singular, Plural), welche Kategoriengefügen und Typen ('genus proximum', z.B. Numerus) inhaltlich bestimmen. Die Kategoriengefüge und Typen sind selbst nicht suchbar. Die Bestimmungen Addition und Modulation erscheinen sowohl als 'genus proximum', wie auch als 'differentia specifica'.

Literatur

Bybee, Joan L. (1985): Morphology. A Study of the Relation Between Meaning and Form. Amsterdam: Benjamins

Eisenberg, Peter (1999): Grundriß der deutschen Grammatik. Bd. 2: Der Satz. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler

Harnisch, Rüdiger (1987): Natürliche generative Morphologie und Phonologie des Dialekts von Ludwigsstadt. Die Erprobung eines Grammatikmodells an einem einzelsprachlichen Gesamtsystem. Tübingen: Niemeyer (Linguistische Arbeiten; 190)

Heidolph, Karl Erich/Flämig, Walter/Motsch, Wolfgang et al. (1981): Grundzüge zu einer deutschen Grammatik. Berlin: Akademie-Verlag

Paul, Hermann (1998): Mittelhochdeutsche Grammatik. 24. Aufl., überarb. von Peter Wiehl und Siegfried Grosse. Tübingen: Niemeyer

Tiefenbach, Heinrich (1987): -chen und -lein. Überlegungen zu Problemen des sprachgeographischen Befundes und seiner sprachhistorischen Deutung. In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik 54, S. 2-27

Wurzel, Wolfgang U. (1984): Flexionsmorphologie und Natürlichkeit. Ein Beitrag zur morphologischen Theoriebildung. Berlin: Akademie-Verlag (studia grammatica; 21)

Verfasser: Stefan Rabanus Bearbeitungsstand: 27.05.2005
Kommentare, Korrekturen und Verbesserungsvorschläge an Stefan Rabanus

 

Hinweis: Der Kommentar zum morphologischen Register wurde für das vollständig in REDE integrierte Vorgängerprojekt "DiWA" verfasst.

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