Aufgabenbereiche

Mit der Untersuchung der (Morpho-)Syntax der deutschen Regionalsprachen wird das ganze variative Spektrum zwischen den zwei Polen Dialekt und Standardsprache angezielt. Erhoben werden die regional bedingten syntaktischen Varianten von Sprecher*innen mit unterschiedlichem sozio-demographischem Profil, gleich ob sie Varianten des Dialekts, Regiolekts oder Kolloquialstandards (nach Schmidt/Herrgen 2011) darstellen.

Methodisch sind die kleinräumigen dialektsyntaktischen Atlasunternehmen der letzten zwei Jahrzehnte wie etwa Syntax hessischer Dialekte (SyHD, Fleischer/Kasper/Lenz 2012) und Syntax des Alemannischen (SynAlm, Brandner 2015) sowie die großräumigen Erhebungen des Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA, Elspaß/Möller 2015) Vorbilder der Erhebung. Es wird eine mehrteilige Fragebogenstudie zur Erfassung der regionalsprachlichen Morphosyntax durchgeführt, die mittels der indirekten Erhebungsmethode gestaffelt im Internet in Anlehnung an den AdA erfolgt.

Anders als beim AdA wird im Fragebogen explizit auf bestimmte Varietäten Bezug genommen: Dialekt/Platt/Mundartregional gefärbte Alltagssprache/Umgangssprache (= Regiolekt) und Hochdeutsch (= Kolloquialstandard). Da diese Konzepte auf Seiten der Gewährspersonen mit verschiedenen Bezeichnungen versehen sind (vgl. z. B. Lenz 2008: 7–8 zum Westmitteldeutschen), werden vorab die drei Varietäten erläutert, um Missverständnissen vorzubeugen. Gewährspersonen werden ausdrücklich dazu aufgefordert, den Fragebogen in ihrer vertrautesten Varietät auszufüllen. Im Falle einer behaupteten Dialektkompetenz erfolgt ein phonologischer Dialektkompetenzschnelltest.

Anders als bei anderen dialektsyntaktischen Projekten, bei denen Gewährspersonen einen dialektalisierten Fragebogen ausfüllen (s. Fleischer/Kasper/Lenz 2012), werden die Stimuli im REDE-Fragebogen durchgehend standardsprachlich präsentiert (zur theoretischen Begründung, s. Kasper/Pheiff 2018). Um die Vergleichbarkeit mit bisherigen Ergebnissen zur regionalsprachlichen Syntax zu gewährleisten, wird auf die Aufgaben laufender sowie bereits abgeschlossener Einzelstudien und Sprachatlanten im deutschsprachigen Raum zurückgegriffen (z. B. SyHD, SynAlm, SNiB, WDU).

Spätestens zum Ende der Projektphase werden Daten und Karten zur regionalsprachlichen (Morpho-)Syntax im SprachGIS zur Verfügung stehen.

 

Stand der Bearbeitung

Die jeweils verfügbaren Fragebogenrunden stehen auf https://survey.online.uni-marburg.de/rede/ online.

Einblicke in die ersten Ergebnisse der Einzelerhebungen sind auf https://www.regionalsprache.de/mitmachen-ergebnisse.aspx möglich.

Für Einzelheiten zu Methode und Ergebnissen können die Publikationen von Simon Kasper und Jeffrey Pheiff konsultiert werden.

 

Personen

Arbeitsgruppe (Morpho-)Syntax

 
Leitung der Arbeitsgruppe (beurlaubt)

 

Kommissarische Leitung der Arbeitsgruppe

 

Informationstechnik
  • Robert Engsterhold

 

Studentische Hilfskräfte
  • Dennis Beitel
  • Lars Bieker
  • Merle Gudjons
  • Robin Kropf

 

Ehemalige

  • Jacqueline Erlach
  • Christine Nies

 

 

Brandner, Ellen (2015): Syntax des Alemannischen (SynAlm). Tiefenbohrungen in einer Dialektlandschaft. In: Kehrein, Roland / Lameli, Alfred / Rabanus, Stefan (Hrsg.): Regionale Variation des Deutschen. Projekte und Perspektiven. Berlin / Boston: De Gruyter Mouton, 289–322.

Fleischer, Jürg/Kasper, Simon/Lenz, Alexandra N. (2012): Die Erhebung syntaktischer Phänomene durch die indirekte Methode: Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Forschungsprojekt „Syntax hessischer Dialekt“ (SyHD). In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik 79(1), 2–42.

Kasper, Simon/Pheiff, Jeffrey (2018): Standarddeutsche oder dialektalisierte Stimuli? Zum Einfluss der Stimulusform auf die Ergebnisse indirekter dialektsyntaktischer Erhebungen. In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik 85(2), 129–164.

Kasper, Simon/Pheiff, Jeffrey (2019): Forschungsnotiz. Morphosyntax der Regionalsprachen. In: Zeitschrift für germanistische Linguistik. Deutsche Sprache in Gegenwart und Geschichte, 47(1), 249–253.

Kasper, Simon/Pheiff, Jeffrey (2020): Die Erhebung der regionalsprachlichen Morphosyntax des Deutschen im Rahmen des Projekts Regionalsprache.de (REDE): In: Korrespondenzblatt des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung, 127, 150–153.

Lenz, Alexandra N. (2008): Vom Dialekt zur regionalen Umgangssprache – Zur Vielfalt regionaler Sprechweisen. In: Munske, Horst Haider (Hrsg.): Sterben die Dialekte aus? Vorträge am Interdisziplinären Zentrum für Dialektforschung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 22.10.–10.12.2007 [Verfügbar unter https://opus4.kobv.de/opus4-fau/files/660/IZD_Lenz_Vielfalt_regionaler_Sprechweisen.pdf, 7. Nov. 2019].

Möller, Robert/Elspaß, Stefan (2015): Atlas zur deutschen Alltagssprache. (ADA). In: Kehrein, Roland/Lameli, Alfred/Rabanus, Stefan (Hrsg.): Regionale Variation des Deutschen. Projekte und Perspektiven. Berlin/Boston: De Gruyter Mouton, 519–539.

Schmidt, Jürgen Erich / Herrgen, Joachim (2011): Sprachdynamik. Eine Einführung in die moderne Regionalsprachenforschung. Berlin: Erich Schmidt Verlag.

SNiB = Eroms, Hans-Werner / Röder, Birgit / Spannbauer-Pollmann, Rosemarie (2006): Einführungsband mit Syntaxauswertung. In: Eroms, Hans-Werner / Spannbauer-Pollmann, Rosemarie (Hrsg.) (2003 ff.): Sprachatlas von Niederbayern. Heidelberg: Universitätsverlag Winter. (= Bayerischer Sprachatlas: Regionalteil 5).

WDU = Eichhoff, Jürgen (1977–2000.): Wortatlas der deutschen Umgangssprachen. Bd. I/II: Bern u. a.: Francke (1977–1978); Bd. III/IV: München u. a.: Saur (1993–2000).